Projekte
Institut für Umweltwirtschaftsanalysen e. V.
Heidelberg
 
 
 
Chancen und Grenzen nachhaltigkeitsorientierter Stoffstrommanagementansätze in Kleinen und Mittelständischen Industrieunternehmen (KMU)
Laufzeit: Mai 2002 bis Juni 2003
Gefördert vom Ministerium für Umwelt und Verkehr Baden-Württemberg



 

Nachhaltigkeitsorientiertes Wirtschaften beschreibt Handlungsformen, die sich auf Basis ihrer vergleichsweise höheren Ressourceneffizienz und Umweltschonung möglichst dauerhaft aufrecht erhalten lassen und damit nicht nur uns, sondern auch nachfolgenden Generationen lebenswerte Zukunftsperspektiven bereiten. Vor diesem Anspruch werden derzeit vielfältige Konzepte und Instrumente entwickelt, die dazu beitragen sollen, unternehmerisches Handeln auf eine derartige Wirkungsrichtung hin zu erleichtern.

Auch die mannigfaltigen Ansätze zur Förderung eines nachhaltigkeitsorientierten Umgangs mit industriellen Stoffströmen über ein entsprechend auszugestaltendes Stoffstrommanagement gehören hier hinein. So gelingt es auch hier, die neue Win-win- oder gar Triple-win- (Ökonomie, Ökologie und Soziales)Potentiale zu identifizieren und die Chancenräume für das einzelne Unternehmen in puncto Zukunftsverträglichkeit maßgeblich zu erweitern. Gleichzeitig fällt aber auch auf, dass die sich dynamisch weiterentwickelnden Möglichkeiten bislang noch vergleichsweise wenig ausgeschöpft werden. Dies gilt vor allem (aber nicht nur) für KMU, mit denen der Antragsteller sowohl über die Organisation des Arbeitskreises „Umwelt & Wirtschaft im Rhein-Neckar-Dreieck“ (Leitung: Prof. Liesegang) wie auch den im Rahmen eines BMBF-Projektes erfolgten Aufbau einer „Arbeitsgemeinschaft Umweltmanagement“ (AGUM) e.V. in stetem Kontakt steht.

Tatsächlich sind die Transaktionskosten der Informationsbeschaffung gerade bei KMU verhältnismäßig hoch, so dass sich die Firmen immer noch weitestgehend auf die Bereiche konzentrieren, die ihnen im Zusammenhang mit der Produktherstellung bereits vertraut sind. Stoffstrommanagement, Nachhaltigkeitsmanagement und die sich im Einzelnen dahinter verbergenden Handlungsansätze erwecken da zwar selektive Aufmerksamkeit, ihre Darstellung gebärdet sich dann aber doch vielfach deutlich zu theoretisch, zu ambitioniert und unflexibel, um tatsächlich faktisch wirksame Handlungen auszulösen. Darüber hinaus befinden sich einige der vielversprechenden Instrumentarien noch in der Entwicklungsphase und können ihre intrinsischen Potentiale dadurch bislang oft nur in Verbindung mit einer (externen) Anleitung über Spezialisten entfalten.

Da die geschilderte Problematik zwar in firmenspezifischen Ausprägungen auftritt, sich jedoch gleichwohl an einen prinzipiell recht ähnlichen Informationsbedarf richtet, scheint der Aufbau einer firmenübergreifend angesiedelten Informationstransparenz hier zielführend. Diese soll in dem hier vorgeschlagenen Projekt zum einen über einen akteursübergreifenden Dialogprozess und in Ergänzung hierzu über den Aufbau einer entsprechenden Stoffstrommanagementplattform im Internet erfolgen.

Geplant ist demzufolge ein mehrgliedriger Austauschprozess zwischen Unternehmensvertretern und Wissenschaftlern unter Einschluss von Behördenvertretern und anderen Begleitern, mit Hilfe derer das vorhandene Know-how in alltagstaugliche Komponenten heruntergebrochen werden soll. Denn nur so wird sich Nachhaltigkeit im Produktionsbetrieb auch im Sinne von Dauerhaftigkeit – und das heißt: ohne fortwährende Stützung durch öffentliche Zuschüsse – weiterentwickeln.

Dieser Dialogprozess soll im Rahmen des Projektes durch eine praxisgerechte Aufarbeitung von Stoffstrommanagementansätzen durch den Antragsteller vorbereitet werden. Da der betriebliche Anwender weder zeitlich in der Lage, noch sprachlich hinreichend geschult ist, um mit den in aller Regel recht umfangreichen Primärtexten umzugehen, soll versucht werden, zentrale Elemente relevanter Instrumente, Modelle, Konzepte und Methoden in einer verbal und visuell rasch konsumierbaren Form auf wenigen DinA4-Seiten darzustellen und mit entsprechenden Informationen zu den Zielen und Grundvoraussetzungen ihrer Anwendung zu versehen. Neben kurzen prägnanten Texten sollen deshalb auch leicht verständliche Graphiken und Checklisten erstellt sowie tabellarisch aufbereitete Gegenüberstellungen vergleichbarer Instrumente erzeugt werden. Die am Projekt beteiligten Unternehmensvertreter sollen mit derartigen Vorabinformationen ausgestattet werden, ehe sie ihren Betrieb zusammen mit Mitarbeitern des Antragstellers und unter Zuhilfenahme entsprechender Fragebögen nach dem themenspezifisch relevanten Status quo untersuchen sollen. Damit soll gewährleistet werden, dass sich auch die einzelnen Betriebsangehörigen mit einzelnen Fragestellungen explizit auseinandergesetzt haben und so in einem daran anschließenden Workshop zum Einen die gegenwärtige Situation im Betrieb vorstellen, zum Anderen aber auch die Praktikabilität einer bestimmten Instrumentenanwendung diskutieren können. Der dadurch geförderte inhaltliche Dialog im entsprechenden Themenworkshop soll sowohl dazu beitragen, die als vielversprechend identifizierten Werkzeuge mit Unterstützung von IUWA-Mitarbeitern innerbetrieblich anzuwenden, als auch dazu, eine werkzeugspezifische Eignungsmatrix auszufüllen, die ebenfalls auf die o.g. Internetoberfläche gestellt und dadurch dem interessierten Fachpublikum von außerhalb zugänglich gemacht werden soll.

Die im Projekt involvierten insgesamt 4 Unternehmerworkshops sollen sich nacheinander mit folgenden Themenschwerpunkten auseinandersetzen, die in einem ersten Kick-off-Meeting vonseiten der Projektpartner noch feinstrukturiert werden können.
1.) Fragen zur betrieblichen Organisationsstruktur und ihrer Beziehung zu einem nachhaltigkeitsorientierten Stoffstrommanagement (Beschreibung relevanter Prozessabläufe, wo liegen welche Daten und Verantwortlichkeiten, ...).

2.) Problemadäquater Einsatz verschiedenartiger Durchführungsinstrumente zum betrieblichen (und überbetrieblichen) Stoffstrommanagement (vom anspruchslosen EXCEL-Blatt bis hin zu ambitionierten Stoffstrommanagementinstrumenten wie bspw. Umberto).

3.) Problemadäquate Auswertungsmethodik / Leistungsmessung (von aussagekräftigen Kennzahlen bis hin zur Öko-Bilanz, Ökoeffizienz-Analyse oder Sustainability Balanced Scorecard – um nur einige Beispiele zu nennen)

4.) Chancen und Grenzen der einzelnen Ansätze (auf Basis der projektinternen Diskussion und Anwendungserprobung à was eignet sich für wen, unter welchen Umständen und mit welchen Synergieeffekten?) unter Einbeziehung betriebsexterner Rahmenbedingungen (Gesetze, Normen, Dokumentationspflichten, Darstellungsmöglichkeiten in der Öffentlichkeit)

Die Projektteilnehmer würden sich aus dem Projektkontext eines zeitlich parallel laufenden BMBF-Projekts zur Entwicklung „nachhaltigkeitsorientierter Stoffstrommanagementsysteme“ rekrutieren und hierdurch eine sehr enge, umsetzungsorientierte Betreuung erfahren, für die sie sich allerdings auch entsprechend engagieren müssten (Mannstunden). Die Workshops selbst sollen in den teilnehmenden Betrieben abgehalten werden, was den umsetzungsorientierten Vor-Ort-Dialog unterstreichen soll und gleichzeitig einem substanziellen Finanzierungsbeitrag vonseiten des Unternehmens entspricht. Die akteursspezifische Verbindung mit dem o.g. BMBF-Projekt wird es gleichzeitig ermöglichen, nicht nur Unternehmen aus dem Rhein-Neckar-Raum, sondern auch solche aus der Ulmer IHK-Region in das Projektgeschehen mit einzubeziehen und hierdurch auch den regionsübergreifenden Dialog innerhalb Baden-Württembergs zu unterstützen. 

Dem praxisorientierten Fachdialog soll sich eine öffentlichkeitswirksame Projektabschlussveranstaltung anschließen, im Rahmen derer auch die gemeinsam erarbeitete Internethomepage öffentlich zugänglich gemacht werden soll. Zur Förderung der Distribution der im Projekt zusammengetragenen und systematisierten Erfahrungen soll eine Buchpublikation erscheinen, die als griffig und plakativ aufgebauter Leitfaden vor allem betrieblichen Umweltzirkeln oder Umweltbeauftragten den praktischen Einstieg in die potentialreiche Thematik erleichtern soll.